Paul Gludovatz bei Laola1.at: "Es ist ein risikoreicher Schritt, den wir machen"

Vor der abgelaufenen Saison galt die SV Ried als Abstiegskandidat. Zudem ließ der Abgang des damaligen Trainers Georg Zellhofer kurz vor Meisterschaftsbeginn etwas Chaos im Verein vermuten.

 

Doch die Mannschaft und die Verantwortlichen bewiesen das Gegenteil.

 

 


Es folgte unter Trainer Paul Gludovatz die beste Saison der Innviertler in Österreichs höchster Spielklasse – gemessen an den erzielten Punkten. Zwar waren die Oberösterreicher 2006/07 schon Vizemeister, doch 60 Punkte wie heuer erreichten sie damals nicht.

Aufgrund dieser Saison können sich die Rieder nun in aller Ruhe auf die neue Spielzeit vorbereiten. Wohl auch, weil der Lokalrivale LASK aufgrund seiner Umstrukturierung das mediale Interesse in Oberösterreich wieder besonders auf sich zieht.

Gludovatz hat damit aber überhaupt kein Problem. „Ich war es beim ÖFB gewohnt, im Schatten zu arbeiten. Das tut mir nicht weh“, erklärt der 63-Jährige bei LAOLA1.

Was ihm wohl mehr Sorgen bereitet, ist sein Kader. „Wir haben aktuell 14 gestandene Spieler. Das ist momentan eine enge Geschichte.“

Im Interview mit LAOLA1 spricht der Burgenländer über die Situation des Kaders, die Vorbereitungen auf die neue Saison und seinen Plan mit Ried.

LAOLA1: Die Vorbereitung läuft. Es ist anzunehmen, dass die positive Stimmung der vergangenen Saison über die kurze Pause gerettet werden konnte.

Paul Gludovatz: Darauf haben wir gehofft. So lange uns das Wetter nicht zu lange einen Strich durch die Rechnung macht, bin ich auch guter Dinge. Der Anfang war in jedem Fall okay. Meine Wunschvorstellung war, dass wir mit dem einen oder anderen Neuen in die Vorbereitung gehen und nicht auf die Schnäppchen bis Mitte oder Ende August warten müssen.


LAOLA1: Das ist der Fall. Bisher sind drei Verstärkungen in Ried gelandet, einige Spieler haben den Verein verlassen.

Gludovatz: Alle bisherigen Neuverpflichtungen waren im Vorfeld abgeklärt – sowohl mit dem Spanier Jonathan als auch mit Florian Sturm und Mihael Rajic. Einige Spieler sind gegangen, zuletzt auch Denis Berger. Momentan ist die Situation hinsichtlich des Kaders eher eng.

LAOLA1: Wie sehr schmerzen da besonders die Abgänge von Ewald Brenner und Pa Saikou Kujabi?

Gludovatz: Bei Brenner ging es um den finanziellen Aspekt, deshalb ist es vom Management und Präsidium ausgegangen. Die sportliche Seite ist damit nicht zufrieden. Hinsichtlich Kujabi war der Transfer abzusehen, er wollte weg. Bei einer möglichen Option, die wir gezogen hätten, wäre er nicht mehr finanzierbar gewesen.

LAOLA1: Sie sagen, die sportliche Seite ist damit nicht zufrieden. Aber muss ein Klub wie die SV Ried nicht mit solchen Fällen rechnen?

Gludovatz: Sicherlich war es zu erwarten. Als ich den Trainer-Job vergangenen Sommer angenommen habe, hat es auch eine klare Ausgangsposition gegeben: Die Möglichkeiten, die hier gegeben sind, voll und ganz zu nützen. In der Vorsaison ist es uns zum Großteil gelungen. Wenn uns das wieder gelingt, dann werden die Ziele heuer dennoch nicht mit Platz fünf in Einklang zu bringen sein. Weil wir eben zurückschrauben müssen.

LAOLA1: Die Stürmer Hamdi Salihi und Nacho sind begehrt. Können sie gehalten werden?

Gludovatz: Momentan kann das noch nicht gesagt werden. Salihi hat mir aber am Telefon erklärt, dass er da bleiben möchte. Wenn er jedoch eine Verbesserung will, beziehungsweise der Verein eine finanzielle Aufbesserung bekommt, wird er wohl ersetzt werden müssen.

LAOLA1: Was für einen Eindruck machen die drei Neuen bisher auf Sie?

Gludovatz: Für mich ist der Faktor der Integration der wichtigste. Das ist ein gleitender Prozess, der nicht nach ein paar Trainings abgeschlossen ist. Ein Spieler, der hohe Qualitäten hat und nicht integrationswillig, beziehungsweise -fähig ist, wird nicht so wertvoll sein, wie umgekehrt. Aber alle potenziellen Neuen kommen vorher zu uns und trainieren mit – dann schaue ich, ob sie charakterlich zu uns passen.

LAOLA1: Wie sieht es um die Fitness von Sturm und Jonathan aus?

Gludovatz: Beide werden noch ihre Zeit brauchen. Besonders Florian hat aufgrund einer verschleppten Adduktorenzerrung, die er sich noch in England zugezogen hat, bis vor wenigen Tagen Reha gemacht. Es ist schwierig zu sagen, wann beide bei 100 Prozent sind.


LAOLA1: Inwieweit macht Ihnen das momentane Altersgefälle sorgen?

Gludovatz: Es begrüßen sich eigentlich nur noch vier so genannte Alte – der Rest ist sehr sehr jung. Das Verhältnis ist noch nicht so, wie ich mir das vorstelle. Der eine oder andere gestandene Spieler wäre für eine optimale Besetzung wohl entscheidend. Wir schauen aber natürlich, dass die jungen Spieler so schnell wie möglich Anschluss finden.

LAOLA1: Gegen Ende der vergangenen Saison haben Youngsters wie Gabriel (17), Huspek (18) oder Grasegger (20) schon etwas Bundesliga-Luft schnuppern dürfen. Wie steht es konkret um ihre Entwicklung?

Gludovatz: Wir haben die ersten Schritte gesetzt. Das Problem ist, dass sie zu ungeduldig sind. Wenn ein Lukas Gabriel ein Spiel macht, glaubt er, dass er die nächsten ebenfalls absolvieren müsste. Das ist aber nicht der Fall. Wir haben mit diesen Spielern ein Programm von ungefähr eineinhalb Jahren vor – wenn sie sich mit dem identifizieren können, dann werden sie ihre Einsätze bekommen. Wir haben viele Junge dabei – nach dem Abgang von Denis Berger haben wir aber nur noch 14 gestandene Spieler. Der junge Rest muss sich nicht nur anbieten, sondern langsam in die Mannschaft hineinspielen. Es wäre vermessen, wenn ich von ihnen verlangen würde, dass sie 36 Spiele auf einem gewissen Niveau durchspielen. Sie werden zu ihren Einsätzen kommen. Wenn sie Geduld haben und ihr Programm durchziehen, dann werden sie auch weiterhin Chancen bekommen.

LAOLA1: 14 gestandene Spieler sind nicht gerade viel für einen Bundesliga-Kader. Bei Verletzungen oder Sperren kann es ganz schnell eng werden.

Gludovatz: Natürlich bedenken wir, was nach einem Meisterschafts-Viertel sein kann. Es ist momentan der Kader, den wir uns leisten können und wollen. Den Schritt, den wir hier machen, ist ein risikoreicher – und österreichweit im Profigeschäft praktisch einmalig. Wir gehen trotz Risiko diesen Schritt und ich gehe davon aus, dass er uns dennoch nicht Richtung Platz neun abwärts führt, sondern aufwärts.

LAOLA1: Auf welcher Position sucht Ried noch besonders?

Gludovatz: Auf der Sechser-Position haben wir sicherlich Handlungsbedarf. Diesbezüglich sind wir auch schon länger an Stefan Ilsanker von den RB Juniors dran. Angeblich hat er aber von Kapfenberg ein besseres finanzielleres Angebot. Ähnliches gilt für Michael Madl bei der Austria. Grundsätzlich ist es so, dass gute junge Spieler aus finanziellen Gründen nicht nach Ried kommen. Aber bei uns ist die Chance größer, dass er spielt. Man braucht sich nur unseren Kader ansehen – jeder hat auch gewusst, dass Andreas Ulmer vergangene Saison auf der Linksverteidiger-Position spielen würde.

LAOLA1: Sie haben in ihrer Amtszeit in Ried gemeinsam mit Manager Stefan Reiter hinsichtlich der Mannschaft und deren Sturktur drei Schritte geplant. Einer wurde vergangenen Winter abgeschlossen, der zweite war beziehungsweise ist jetzt und der dritte soll im kommenden Winter folgen. Wie sind Sie aktuell mit diesem zufrieden?

Gludovatz: Der Schritt war jetzt ein relativ großer. Nicht so, wie er von mir vorgesehen war. Es war ein Riesenschritt - wir müssen jetzt vorsichtig sein, wie wir auf den dritten und abschließenden Schritt meiner Planungen im Winter hinarbeiten.

LAOLA1: Was ist zu diesem aktuellen Schritt zu sagen?

Gludovatz: Er war mit dem Abbau vieler Spieler verbunden und ist es mit dem Einbau, der noch nicht abgeschlossen ist, noch immer. Der könnte länger dauern, als wir glauben, und nicht nur die 19 Runden vom Herbst. Ich hätte mir diesen etwas leichter vorgestellt und einen kürzeren machen wollen.

LAOLA1: Wäre mit dem letzten Schritt und dem Ende der kommenden Saison ihr Projekt in Ried abgeschlossen?

Gludovatz: Natürlich hat man für die Zukunft Vorstellungen, auch in meinem Alter. Diese Planung bezieht sich jetzt einmal entsprechend meiner Vertragslänge. Wenn ich mich gesund und wohl fühle, kann ich mir alles vorstellen. Sowohl in Ried zu bleiben, als auch etwas anderes zu tun.

LAOLA1: Was sind ihre Zielsetzungen bis dahin?

Gludovatz: Ich will wie immer das Größtmögliche aus der Mannschaft herausholen. Es gibt auch immer wieder Potenzial, das man nicht so erkennt und dann herauskitzeln muss. Das andere ist: Das nächste Spiel ist immer das wichtigste. Ich bin realistischer Optimist, blicke immer auf die nächsten Schritte und schaue auf die Verbesserung der Details, wie etwa besseres Zuspiel. Hinsichtlich der kommenden Saison zählt es zuerst den Klassenerhalt abzusichern. Wenn uns ein halbwegs guter Saisonauftakt gelingt, dann können wir wieder eine gewisse Stabilität entwickeln. Vielleicht schaffen wir in der Folge das eine oder andere aus der abgelaufenen Saison zu wiederholen. Die Punkteanzahl aus der Vorsaison zu toppen, wird natürlich schwierig. Auch die Heimserie wird nicht einfach zu prolongieren, weil die anderen Mannschaften natürlich nun besser über unser Potenzial vor eigenem Publikum Bescheid wissen. In Sachen Ranking lautet das Ziel eben: Von Platz neun aufwärts.
Erschienen am 26.06.2009 von Bernhard Kastler und Guid (Bernhard Kastler und Guid)

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