Mit 28 Jahren ist der deutsche Lukas Brandl der jüngste Sportchef in der österreichischen Bundesliga
„Kenne in Ried alle Prozesse“
LIGAPORTAL: Hallo Lukas, danke fürs Zeitnehmen. Die Hinrunde im Grunddurchgang ist vorbei – wie fällt dein Zwischenfazit aus?
Lukas Brandl: „Positiv. Ich glaube, dass wir die letzten Tage rund um den Verein aufgrund der späten Gegentore etwas negativ waren, weil es keine perfekte Woche war. Wenn man das aber in den größeren Kontext einordnet – wir hatten einen sehr schwierigen Sommer mit einem großen Umbruch –, können wir mit der Punkteausbeute und der sportlichen Performance zufrieden sein. Wie immer sind wir aber sehr selbstkritisch und versuchen, immer besser zu werden.“
LIGAPORTAL: In den letzten vier Spielen kassierte man jeweils in der Nachspielzeit ein bitteres Gegentor. Wie arbeitet man das auf, damit es am Samstag gegen den LASK nicht mehr passiert?
Lukas Brandl: „So wie jedes andere Spiel auch. Wir schauen uns genau an, was passiert ist, was die größeren Verhaltensweisen dahinter sind. Es gibt wie immer Analysen mit der Mannschaft. Man darf trotzdem auch nicht darüber hinwegsehen, was das jetzt für Spiele waren. Wir haben gegen gute Gegner und auswärts gespielt. In Altach waren wir müde. Unter solchen Voraussetzungen steigt einfach bei jeder Mannschaft die Wahrscheinlichkeit, dass späte Gegentore fallen.
Ich würde daraus aber kein großes Thema machen. Natürlich ist es auch am Wochenende gegen einen guten Gegner, der über 90 Minuten drücken wird, möglich, dass so etwas passiert. Das ist ganz normal, wenn der LASK gegen uns spielt. Wir arbeiten es aber genauso wie jedes andere Gegentor auf.“
LIGAPORTAL: Du bist nun seit knapp drei Monaten Sportdirektor. Wie stressig ist die Zeit für dich, nachdem du für den sportlichen Bereich derzeit alleine zuständig bist?
Lukas Brandl: „Es ist natürlich ein sehr straffes Programm. Ich bin aber schon länger im Verein und kenne alle Prozesse und Leute – in und um den Verein. Deswegen ist trotzdem alles recht eingespielt.“
Brandl ist seit fünf Jahren für die Innviertler tätig – im August stieg er nach dem Fiala-Abgang vom Technischen Direktor zum Sportdirektor auf
„Mussten einen Trainer finden, der inhaltlich überzeugt“
LIGAPORTAL: Mit Mario Despotovic verpflichtete man im Sommer einen Trainer, den wirklich niemand auf der Rechnung hatte. Wie findet man solche Charaktere und was gab den Ausschlag, dass er genau der Richtige ist?
Lukas Brandl: „In Ried wird man nicht die Trainer bekommen, wo jeder sagt, das ist der beste oder interessanteste Trainer auf dem Markt. Man nimmt entweder einen Trainer, der schon die ein oder andere Station in der Bundesliga in Österreich hatte. Oder einen, der noch vor seinem Durchbruch steht oder aus einem Bereich kommt, der vielleicht nicht offensichtlich ist. Genau mit diesen Kandidaten haben wir viele Gespräche geführt. Dann ist die Aufgabe nicht, dass man den Trainer auswählt, dass jeder sagt: ‚Den hätt ich auch genommen‘ oder die Zeitung schreibt, das ist der passendste Trainer.
Wir hatten die Aufgabe, inhaltlich zu überzeugen und einen Trainer zu finden, der versteht, was uns gut macht und den Standort Ried auszeichnet, dass wir eine Mannschaft sind, die intensiv Fußball spielt, bei Standards gut ist. Der versteht, wie das Umfeld funktioniert, und auch im Tank hat, die Mannschaft mit Regeländerungen fußballerisch weiterzuentwickeln. Da haben wir die Entscheidung dann für Mario getroffen, weil wir die Einschätzung hatten, dass er der Kandidat ist, der das am besten hinbekommt.“
LIGAPORTAL: Neben dem Trainer kamen mit Stefan Schwab oder Isaac Kiese Thelin auch gestandene Führungsspieler. Wie schwer ist es, solche Akteure von Ried zu überzeugen?
Lukas Brandl: „Der Stefan ist ein extrem ambitionierter Sportler, der sich immer inhaltlich überzeugen lässt. Beim Isaac war es in Wahrheit genauso. Es ist glaube ich nie gut, wenn man sich Gedanken macht, wie man jemanden überzeugt oder ob man zu klein oder zu groß ist. Man muss immer probieren, inhaltlich so direkt wie möglich zu sprechen. So findet man gute Leute und das war bei den beiden genauso.
Wir haben ihnen das sportliche Projekt vorgestellt und versucht, das so gut wie möglich darzustellen. Es gab Gespräche mit dem Trainer. Am Ende sind es die Sportler, die ihren Sport in der bestmöglichen Umgebung ausführen wollen. Natürlich war es bei den beiden dann auch so, dass wir ein gewisses Rahmenpaket geschnürt haben und versucht haben, es den beiden lukrativ zu machen. Die Ausgangsbasis ist aber immer das sportliche Rahmenprogramm.“
Brandl über Qualitätsgates und Winter-Transfers der SV Ried
LIGAPORTAL: Wolfgang Fiala hat mir damals vom gemeinsam entwickelten Transferprozess erzählt (siehe HIER) – mit 6 Stufen und über 30 Prüfpunkten im Qualitätsgate-System. Warum ist ein so akribischer Ansatz so wichtig?
Lukas Brandl: „Wir können uns keine Experimente leisten. Wir haben wenige Ressourcen. Wenn wir Geld für einen Spieler ausgeben, meine ich damit nicht einmal die Ablöse, sondern auch die ganzen Lohnkosten und alles drumherum. Deswegen muss das alles sitzen und wir sind sehr akribisch und detailliert in der Beurteilung.“
LIGAPORTAL: Gibt es im Winter auf gewissen Positionen Handlungsbedarf?
Lukas Brandl: „Wir sind mit dem Kader im Moment sehr zufrieden. Der Kader ist ausgewogen, aber wir schauen und beobachten den Markt natürlich immer, suchen jetzt aber nicht aktiv.“
LIGAPORTAL: Was ist für die SV Ried in dieser Saison noch möglich?
Lukas Brandl: „Ich bleibe natürlich bei unserem Standardziel, dem Klassenerhalt. Den schafft man natürlich früher, wenn man im oberen Play-off landet. Als Sportler versucht man immer, das Bestmögliche zu erreichen. Ich bin unterm Strich aber froh, wenn wir die Klasse halten. Das war im Sommer so und ist jetzt noch so.“
LIGAPORTAL: Vielen Dank für das Gespräch, Lukas!



