Paul Gludovatz bei Martina Weidenholzer

Paul Gludovatz im OÖ Nachrichten Interview

RIED. Nach dem 1:0-Auswärtserfolg über Kapfenberg wollen die Rieder Wikinger die Salzburger Bullen am Wochenende in der SV-Heimarena bezwingen. Dabei könnte manch SV-Profi der Vater eines Teamkollegen sein, so Trainer Paul Gludovatz.

 

OÖN: Gleich die ersten Runden sind vor allem aus Heimspielsicht besonders spannend; wie haben Sie die Mannschaft auf die Saison vorbereitet?
Gludovatz: Die Regenerations- und Vorbereitungszeit war eindeutig zu kurz. Deshalb ist sie auch noch nicht abgeschlossen. Wir werden also während der ersten fünf Runden den physischen Teil fortsetzen, ohne wird es nicht gehen.

OÖN: Muss man einen Nacho zum Deutschlernen zwingen?
Gludovatz: Er hilft sich mit Englisch darüber hinweg, spricht eine Misch-Masch-Sprache. Für mich ist das kein Problem, er versäumt nichts, was gesprochen wird, kommt pünktlich ins Training. Nacho schafft die Kommunikation eben über Umwege. Ein Yeray hat sich bereits große Deutschkenntnisse aufgebaut, und der Jonathan kann schon ganz gut mithalten.

OÖN: In der Vorsaison drückten die hohen Punkteprämien auf die Finanzen des Vereins. Inwieweit betrifft Sie das als Trainer, nehmen Sie darauf Rücksicht?
Gludovatz: Ich habe mein Programm durchzuziehen und nur das Spiel im Kopf. Manageraufgaben sind für mich „irrerelevant“ wie ein Krankl sagen würde. Aber es stimmt schon, der Verein muss natürlich das Budget in groben Zügen planen.

OÖN: Die Mannschaft ist relativ jung; wie schafft es ein Trainer, die frisch gebackenen Profis am Boden zu halten?
Gludovatz: Man muss dazu sagen, dass wir innerhalb der Mannschaft ein Missverhältnis haben, was die Altersstruktur betrifft. Wir haben fünf Spieler Ü30, und viele sind U20. Der junge Ziegl könnte durchaus der Sohn eines älteren Spielers sein.

OÖN: Und das reicht am Ende aus?
Gludovatz: Die Brutalität am Rande ist ja, dass wir einen Eineinhalb-Jahresplan haben. Daraus ergibt sich, dass wir nur zwei von fünf, sechs Kandidaten zu g’standenen Spielern machen können. Der eine oder andere wird die Grenze durchbrechen und zum Tipp-12-Bundesligaspieler werden.

OÖN: Vor allem durch die ungeschlagene vergangene Heimsaison hat sich Ried profiliert. Eine Serie, die nicht dauerhaft anhalten muss. Wie geht man als Trainer mit Misserfolg um?
Gludovatz: Bis dato haben wir nur Erfolg gehabt, das ist richtig. In meiner knapp 30-jährigen Fußballlaufbahn war das natürlich nicht immer so. Um Erfolg messen zu können, muss man Niederlagen einstecken. Wenn ich jetzt an die Unterstützung des unglaublichen Fanpublikums und an das herrliche kleine Stadion denke, hoffe ich natürlich, dass wir so wenig wie möglich verlieren. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich kann mit Niederlagen umgehen.

OÖN: Ihre Frau Susi wird auch wieder mit von der Partie sein?
Gludovatz: Ja natürlich, sie will kein Spiel versäumen. Sie übernimmt eine Beratungsfunktion. Lobt, wenn wir gewinnen und schimpft, wenn wir verlieren. Sie kam sogar zu manchen Vorbereitungsspielen nach Ried. Jetzt, während der Saison, wird sie fix nach Ried kommen und mitfiebern.

Das Interview wurde geführt von Martina Weidenholzer / OÖ Nachrichten

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